Der erste Schritt…

Veröffentlicht: 3. Oktober 2013 in Diary
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Nun stand ich da, mein „Zustand“ hatte einen Namen und es erleichterte mich. All meine Zweifel, Ängste und Schuldgefühle waren Ausdruck einer Krankheit und nicht das „ganz normale“ Leben. Im gleichen Moment fühlte ich mich so hilflos und abhängig. Sollte ich jetzt den Rest meines Lebens mit Medikamenten verbringen? War es wirklich so schwer ohne Hilfe auszukommen?

Meine Therapeutin offenbarte mir relativ schnell zwei Möglichkeiten, neben den Antidepressiva. Einerseits einen stationären Aufenthalt, was sie mit wirklich nahe legte und andererseits einen Aufenthalt in der Tagesklinik. Ich war verunsichert von beiden Vorschlägen, so schlimm konnte es doch nicht um mich stehen – oder? Ich gebe zu, der Gedanke an eine Welt ohne mich hatte in den letzten Monaten für mich schon sehr an Reiz gewonnen, aber hat solche Gedanken nicht jeder von uns schon gehabt. Ich musste mich entscheiden, wollte ich wochenlang nur das Wochenende zu Hause verbringen oder täglich für einige Stunden in die Klinik fahren. Es fiel leicht, denn ich konnte mir nicht vorstellen, wie mir ein fremdes Bett mehr helfen sollte als meine gewohnte Umgebung. Glücklicherweise schlugen die Medikamente langsam an und meine Gefühlslage stabilisierte sich auf einem Niveau, was auszuhalten war. Meine Therapeutin stimmte daraufhin meinem Wunsch zur Tagesklinik zu. Die Wartezeit sollte etwa drei Monate betragen. Ich konnte es nicht fassen. Sollte ich wirklich so lange außer Gefecht gesetzt werden? Was würde meine Familie, Freunde und Kollegen dazu sagen? Ich hatte Angst davor es laut auszusprechen oder auch nur daran zu denken. Ich konnte es einfach keinen sagen – zu groß war die Scham. Ich wollte mir nicht vorstellen als „Psycho“ oder noch schlimmer als „Simulant“ da zu stehen.

So vergingen die Tage und Wochen, in denen ich trotz allem irgendwie in mir selbst gefangen und meinen Gedanken schutzlos ausgeliefert war.

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Kommentare
  1. cyberhonder sagt:

    Hi,

    auch ich war in einer Depression. Die war zwar nicht schwer, aber auch ich war total skeptisch gegenüber Antidepressiva. Aber sie haben mir geholfen. Nach etwa 8 Monaten bekam ich dann Nebenwirkungen und ich setzte die ADs langsam /schleichend ab. Will nur sagen, die Pillen sind nicht schlimm. Solange es SSRI sind und keine Benzodiazepine.

    Gruß und gute Besserung

    • shynami sagt:

      Hi,

      Danke für deine Rückmeldung. Ich hatte innerhalb der Tagesklinik den Anflug meine Antidepressiva abzusetzen…irgendwie wollte ich es doch ohne Medikamente schaffen, das war etwa knapp 6 Monate nach der ersten Einnahme. Im Nachhinein hat mir meine Therapeutin eigentlich davon abgeraten, da man um die Rückfallwahrscheinlichkeit zu minimieren etwa von einem Jahr ausgehen soll. Es wird sich zeigen, ob das die richtige Entscheidung war, wenn ich dann langsam wieder ins „reale“ Leben muss.

      Viele Grüße

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