Zitat des Tages 24.10.2013

Veröffentlicht: 24. Oktober 2013 in Zitate
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„Die Angst vor dem Angriff endet in der Flucht“

(Daniel Mühlemann)

In der 12wöchigen Therapie in der Tagesklinik, war ich ein Paradebeispiel für dieses Zitat.

Die ersten Wochen habe ich meine Probleme klein geredet und verdrängt. Ich suchte die Flucht in eine Art „Schwesternrolle“ und beschäftigte mich mehr mit den „schwerwiegenderen“ Problemen meiner Mitpatienten, ja sogar einige von Station, welche ich regelmäßig beim Rauchen traf.

Ich fragte mich sehr oft, wie ich den Platz in der Klinik verdient hätte, denn im Vergleich waren meine Probleme eher Kindergarten. Ich fühlte mich überbewertet und wie eine Verschwendung von Zeit und Geld. Ich fühlte mich schuldig, jemanden auf der Warteliste, der den Platz wahrscheinlich viel dringender brauchte, die Chance zumindest temporär zu vermasseln. Ich weiß nicht, vielleicht wollte ich mir auch beweisen, dass ich es verdient habe da zu sein. Mindestens um anderen zu helfen, wenn ich mir schon nicht helfen ließ.

Ich wollte meine Probleme auch irgendwie nicht in Angriff nehmen, wollte nicht darüber nach denken, was schief gelaufen war und niemanden damit belasten. Ich habe sehr lange gebraucht um aus diesem Fluchtgedanken heraus zu treten. Am Ende meiner 10. Woche machte es irgendwann *klick* und ich versuchte die verlorene Zeit zu gut es ging aufzuholen. Die letzten zwei Wochen waren schwer für mich, vor allem den Blick auf mich zu richten und meine Verhaltensweisen zu betrachten, zu prüfen und zu ändern. Ich merkte, dass mein Selbstbild stark von dem abwich, was bei Anderen ankam. Diese Diskrepanz gilt es nun zu minimieren und mein Selbstbild in ein realistisches Licht zu rücken.

Die Flucht in alte Strukturen/ Verhaltensweisen und Essgewohnheiten gab mir in einem Umfeld, welches in mir verstärkt Unsicherheit, Schuld, Angst und Zweifel auslöste, die nötige Sicherheit in diesem Moment. Es war jedoch eine sehr trügerische Sicherheit – ich habe genau das gemacht, was mich ich in die Klinik gebracht hat und was ich ablegen wollte und raubte mir in diesem Fall kostbare Zeit. Die Angst als Simulant gesehen zu werden, als jemand der einfach nur sein Leben nicht auf die Reihe bekommt, jemand der zu sensibel ist, hemmten mich offen darüber zu reden, was in mir vorging. In meinem Leben gab es nie einen Zeitpunkt X, an dem ich hätte festmachen können, dass es ab diesem Punkt in die falsche Richtung läuft. Ich kann mich an keinen Lebensabschnitt erinnern, in dem ich irgendwie nicht diese Gedanken hatte – diese ständige Unsicherheit, dieses dauerhafte Gefühl etwas falsch zu machen, diese Zweifel an mir und die Schuldgefühle wegen allem und jedem. Ich habe keine Situation die ich verarbeiten muss…ich weiß nicht, was mit mir los ist und woher dieses Gefühl kommt.

Ich bereue mein Verhalten und ärgere mich sehr über mich, aber  ich hatte wenigsten 2 Wochen um die richtige Richtung gezeigt zu bekommen…

Jetzt liegt es an mir und meinem Willen zu kämpfen/ anzugreifen…ich möchte nicht mehr fliehen!

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Kommentare
  1. Ich glaube, die meisten Menschen haben in den Kliniken das Gefühl, dass ihre Probleme minderwertiger sind als die der anderen Patienten.
    Es gibt immer Menschen mit scheinbar größeren Problemen. Aber genauso gibt es auch welche mit scheinbar kleineren Problemen. Die Frage ist ja letztlich nicht, wie groß das Problem nach außen hin scheint, sondern wie schwer es sich innerlich anfühlt. Die Last eines vermeintlich minderwertigen Problems kann so viel größer sein als die eines scheinbar größeren Problems.

    • Mauerspecht sagt:

      Ist Sensibilität schlecht? Ich glaube das nicht. Nur macht es die kalte Welt, in der wir heute leben, nicht einfach. Aber ich glaube gerade deshalb ist Sensibilität heute sehr sehr wichtig. Es gibt sie „scheinbar“ heute viel zu selten…

      Die Vergangenheit kann höchstens erklären, warum man so „geworden“ ist. Aber was hilft dieses Wissen? Es ändert ersteinmal gar nichts. Es erklärt maximal nur.

      Ich weiß nicht, ob es immer einen Auslöser geben muss. Ich weiß nicht, ob man immer in der Vergangenheit wühlen muss. Es geht um das heute und jetzt. Und um die Zukunft.

  2. shynami sagt:

    Sensibilität ist nicht schlecht, meiner Meinung nach, nur sehr gefährlich! Du gehst das Risiko ein, stärker verletzt zu werden. Das wirkt sich zumindest bei mir so aus, dass ich sehr darauf achte, wem ich vertraue und als aller Erstes immer davon ausgehen, dass der „worst case“ eintrifft. Ich bin sehr sensibel und manchmal überbewerte ich auch viele Situationen, welche mich dann wieder völlig aus der Bahn werfen. Weiterhin besteht die Gefahr sich so sehr auf die Gefühle der Anderen zu konzentrieren und sich selbst komplett aus den Augen zu verlieren. Ich mag meine sensible, emotionale Seite, aber dennoch bin ich mir bewusst, dass ich in der heutigen Welt damit wohl eher gegen die Wand fahre.

    Ich würde schon gern wissen, warum ich so bin. Ich würde gern verstehen um so vielleicht auch den Weg im hier und jetzt „besser“ zu beschreiten. Mit dem Verständnis der Vergangenheit ist die Basis für die Gegenwart und Zukunft für mich eine andere. Natürlich meine ich damit nicht in der Vergangenheit zu hängen und sich ständig zu fragen, was wäre wenn, sondern Sie als Teil seines Lebens zu akzeptieren.

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