Neulich in der Küche…

Veröffentlicht: 1. November 2013 in Gedanken
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Ich hatte mich bei der Auswertung der Computerdiagnostik schon von Anfang an gefragt, was es mit diesem zwanghaften Verhalten von mir auf sich hat.

Ich kam dann zum dem Schluss, dass es sich gänzlich auf mein Essverhalten und meiner ständigen Kontrolle damit bezog. Ich kann einfach nicht mehr ohne Schuldgefühle essen, geschweige denn das Essen genießen. Ich bin ständig darauf fixiert, meine Kalorien, die ich zu mir nehme auf 0 zu halten oder zu bekommen. Einzig und alleine in Gesellschaft zwinge ich mich zu essen, um den Schein und ein bisschen Normalität zu wahren. Ich habe kein Hungergefühl und insgeheim finde ich das noch nicht mal schlecht. Ich verspüre den Zwang mein Körpergewicht zu reduzieren und die Kontrolle über mein Essverhalten nicht zu verlieren.  Es ist zwanghaft, dass ich und nur ich bestimmen kann, was ich esse und wieviel.Gerade jetzt, wo ich in mir viel Unsicherheit spüre aufgrund der Veränderung in meinen Verhaltensweisen, ziehe ich mich mehr und mehr in diesen „sicheren Hafen“ zurück. Ich esse wieder weniger, aber leider sinkt mein Gewicht nicht wirklich. Dieser Umstand macht mich fertig.

So nun bin ich genug abgeschweift…Auslöser war eigentlich, dass ich mir einen Kaffee machen wollte und beinahe eine Krise bekommen habe, als mein Freund ihn für mich machte. Ich habe eine spezielle Reihenfolge für Süßstoff, Milch und Kaffee und ihm ist es natürlich egal. Ich merkte in dem Moment, wie sehr ich in verschiedenen Tätigkeitsabläufen „gefangen“ bin, die manchmal weder effektiv noch effizient sind und ich sie, trotz des bewussten Wissens darum, nicht darum herum komme. Es ist, was ist – ein Zwang! Ich fühle mich unwohl einzelne Arbeitsabläufe zu ändern, obwohl das Ergebnis – ein geweißter und gesüßter Kaffee – das Gleiche ist.

Bis dahin dachte ich immer nur beim Zwangsverhalten an die Extreme – Treppenstufen zählen, mehrmals die Haustür abschließen, etc. – und ich war geschockt, als genau die gleichen Gefühle in mir auftauchten, wenn auch bei banaleren und nicht so offensichtlichen Tätigkeiten.

Ich werde in der nächsten Zeit speziell mal darauf achten und vielleicht versuchen, „einfach“ mal etwas anders zu machen… wer weiß, ob es mir gelingt und wie es sich anfühlt, diese Muster zu durchbrechen.

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Kommentare
  1. Ich habe z. T. auch solche banalen Abläufe, bei denen mich eine Änderung massiv stören würde. Aber vielleicht tut es gut, wenn man es selbst einfach mal ganz bewusst anders macht, um sich zu zeigen, dass man in der Lage ist, diese Verhaltensmuster zu durchbrechen?

    • shynami sagt:

      Ich werde es versuchen und von meinen Erfahrungen berichten 🙂
      Hast du es schon probiert? Wenn ja, wie hat es sich angefühlt?

      Ich weiß nur, dass ich wahnsinnig nervös und auch reizbar wurde, als mein Freund es nicht so gemacht hat, wie ich es sonst tun würde.

      • Ich habe es nicht bewusst probiert, aber es ist mir gestern bei einer Kleinigkeit versehentlich passiert.
        Ich ziehe seit Jahren immer zuerst den linken Schuh an. Ich kann gar nicht anders. Es fühlt sich sonst falsch an. Gestern Abend habe ich wie in Trance den rechten Schuh zuerst angezogen. Es fühlte sich wie eine kleine Katastrophe an. Da ich aber nun von vier Leuten angeschaut wurde, wollte ich mir auch nicht die Blöße geben, den Schuh wieder auszuziehen, um den anderen zuerst anzuziehen. Letztlich ließ ich den Schuh dann an und hatte mein „Malheur“ schon wieder vergessen, als ich zuhause ankam. Im Grunde war alles halb so wild. Nur dieser eine Moment, in dem ich merkte, dass es anders ist als sonst, war nicht so einfach.

  2. Clumsy sagt:

    Was mir aufgefallen ist. Du hast gesagt, du allein bestimmst wie viel du isst. Aber stimmt das? Du bist nur deine Gedanken. Ein Teil von dir ist auch dein Körper. Und der darf gar nicht mit reden. Dein Körper würde/ oder hätte in der Vergangenheit sich er anders entscheiden/ entschieden. Am Ende bestimmt doch wieder nur ein Teil von dir wie viel du isst. Und nicht du als ganzes ….

    • shynami sagt:

      Es klingt zwar merkwürdig, aber ich empfinde meinen Körper als notwendiges Übel.
      Ich mag ihn nicht, eher sogar finde ich ihn abstossend. Vielleicht hätte „er“ damals anders entschieden, aber seit einigen Jahren trägt er meine Entscheidungen mit. Mein Magen sendet keine Signale mehr. Es ist so ein stillschweigendes Abkommen. Bevor ich nicht bei meinem Wunschgewicht angekommen bin, muss er sich nicht zu Wort melden.

  3. shynami sagt:

    48-50 kg…ich denke, dass ist noch im Rahmen.

  4. Clumsy sagt:

    gleiche Größe und 63 kg (glaub ich) … 50 kg find ich schon sehr schlank, wenn man keine 17 mehr ist … ist schon grenzwertig … 55kg fänd ich attraktiv, um mal ein anderes Wort ins Spiel zu bringen 🙂

  5. shynami sagt:

    Bei 55 kg bin ich etwa momentan und fühle mich damit total unwohl! Ich war vor den Anti-Depressiva auf 52 kg und beim Eingangswiegen in der Klinik bin ich fast von der Waage gefallen – 57 kg!!! Ich hab mich über jedes Gramm gefreut, was ich trotz „Zwangsessen“ und Essprotokoll abegnommen habe und hab die Klinik mit 54 Kilo verlassen. Ich verzweifel bei dem Gang auf die Waage, weil ich einfach nicht weiß, warum ich jetzt schon wieder bei 55 bin 😦

    Ich fühle mich nicht attraktiv – ich fühle mich fett!

    • Clumsy sagt:

      Ich weiß, Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Aber ich sage dir ganz ehrlich, ich mag es nicht Adern zu sehen, Knochen zu sehen. Also ich würde meine Allerwertesten verwetten, dass du mit deinem aktuellen Gewicht in meinen Augen verdammt attraktiv bist. Aber ich weiß, diese Worte helfen dir nicht weiter. Leider.

      Das Gewicht von Frauen variiert. Eine Schwankung von 2-3 kg sind normal im Laufe eines Monats 🙂 Der Körper speichert Wasser und Co. je nach Hormonlage unterschiedlich.

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