Mit ‘Angst’ getaggte Beiträge

Das „normale“ Leben

Veröffentlicht: 17. November 2013 in Diary, Gedanken
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Da hat es mich nun wieder, dass normale Leben. Es ging schneller als ich dachte und innerlich gehofft habe. Die Wiedereingliederung ist seit einer Woche vorbei und mir fällt auf, dass ich in eine Art Stagnation verfalle.

Neben der Arbeit, dem Haushalt und meinem Lebensgefährten finde ich mittlerweile nur noch selten Zeit um mich mit mir zu beschäftigen. Ich versuche es und trotzdem habe ich das Gefühl, es nicht richtig zu versuchen. Ich fühle mich schlecht, weil ich meine Erwartungen nicht erfülle und ich spüre, dass ich auf der Stelle stehe. Ich verstecke mich immer häufiger wieder hinter meinem Lächeln und meinem Make up. Ich schließe Empfindungen und Gedanken, die ich für völlig absurd und lächerlich finde in mir ein, obwohl sie mich belasten und ich stundenlang darüber grübel.

Ich mache mir Vorwürfe nicht genug zu kämpfen, die Zeit in der Klinik nicht verinnerlicht zu haben und irgendwie einfach aufzugeben. Ich habe Angst wieder in dieses Loch zu fallen. Ich weiß, dass ich es selbst in der Hand habe. Ich entscheide über mein Leben, aber was ist, wenn ich die falschen Weg einschlage – nicht die Kraft oder die Überzeugung habe wirklich zu kämpfen und mir selbst etwas vormachen.

Ich bin verwirrt, ängstlich, zweifelnd, unsicher, schuldig….schwach…

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„Die Angst vor dem Angriff endet in der Flucht“

(Daniel Mühlemann)

In der 12wöchigen Therapie in der Tagesklinik, war ich ein Paradebeispiel für dieses Zitat.

Die ersten Wochen habe ich meine Probleme klein geredet und verdrängt. Ich suchte die Flucht in eine Art „Schwesternrolle“ und beschäftigte mich mehr mit den „schwerwiegenderen“ Problemen meiner Mitpatienten, ja sogar einige von Station, welche ich regelmäßig beim Rauchen traf.

Ich fragte mich sehr oft, wie ich den Platz in der Klinik verdient hätte, denn im Vergleich waren meine Probleme eher Kindergarten. Ich fühlte mich überbewertet und wie eine Verschwendung von Zeit und Geld. Ich fühlte mich schuldig, jemanden auf der Warteliste, der den Platz wahrscheinlich viel dringender brauchte, die Chance zumindest temporär zu vermasseln. Ich weiß nicht, vielleicht wollte ich mir auch beweisen, dass ich es verdient habe da zu sein. Mindestens um anderen zu helfen, wenn ich mir schon nicht helfen ließ.

Ich wollte meine Probleme auch irgendwie nicht in Angriff nehmen, wollte nicht darüber nach denken, was schief gelaufen war und niemanden damit belasten. Ich habe sehr lange gebraucht um aus diesem Fluchtgedanken heraus zu treten. Am Ende meiner 10. Woche machte es irgendwann *klick* und ich versuchte die verlorene Zeit zu gut es ging aufzuholen. Die letzten zwei Wochen waren schwer für mich, vor allem den Blick auf mich zu richten und meine Verhaltensweisen zu betrachten, zu prüfen und zu ändern. Ich merkte, dass mein Selbstbild stark von dem abwich, was bei Anderen ankam. Diese Diskrepanz gilt es nun zu minimieren und mein Selbstbild in ein realistisches Licht zu rücken.

Die Flucht in alte Strukturen/ Verhaltensweisen und Essgewohnheiten gab mir in einem Umfeld, welches in mir verstärkt Unsicherheit, Schuld, Angst und Zweifel auslöste, die nötige Sicherheit in diesem Moment. Es war jedoch eine sehr trügerische Sicherheit – ich habe genau das gemacht, was mich ich in die Klinik gebracht hat und was ich ablegen wollte und raubte mir in diesem Fall kostbare Zeit. Die Angst als Simulant gesehen zu werden, als jemand der einfach nur sein Leben nicht auf die Reihe bekommt, jemand der zu sensibel ist, hemmten mich offen darüber zu reden, was in mir vorging. In meinem Leben gab es nie einen Zeitpunkt X, an dem ich hätte festmachen können, dass es ab diesem Punkt in die falsche Richtung läuft. Ich kann mich an keinen Lebensabschnitt erinnern, in dem ich irgendwie nicht diese Gedanken hatte – diese ständige Unsicherheit, dieses dauerhafte Gefühl etwas falsch zu machen, diese Zweifel an mir und die Schuldgefühle wegen allem und jedem. Ich habe keine Situation die ich verarbeiten muss…ich weiß nicht, was mit mir los ist und woher dieses Gefühl kommt.

Ich bereue mein Verhalten und ärgere mich sehr über mich, aber  ich hatte wenigsten 2 Wochen um die richtige Richtung gezeigt zu bekommen…

Jetzt liegt es an mir und meinem Willen zu kämpfen/ anzugreifen…ich möchte nicht mehr fliehen!

„Das Paradies wird die Wiederfindung der echten Beziehung zu sich selbst und zu anderen sein…“

(Elmar Kupke)

 

Ich mag mich nicht, weder meinen Körper noch mein „Wesen“. Ich kann mich nicht im Spiegel anschauen und ich kann nicht verstehen, wie man Zuneigung für mich empfinden kann, sei es freundschaftlich oder in einer Beziehung. Ich könnte es nicht.

Ich weiß, dass ich diesen Umstand ändern muss. Ich befinde mich zur Zeit auf dem Weg mich selbst kennen zu lernen. Heraus zu finden, wer ich bin. Ich kann momentan noch nicht differenzieren, welche meiner Charakterzüge wirklich „meine“ sind oder welche ich mir „antrainiert“ habe, um meinem Umfeld zu gefallen. Ich fühle mich unsicher und weiß nicht, ob ich es wirklich heraus finden möchte. Was ist, wenn ich eine schreckliche Person bin? Was ist, wenn ich am Ende alleine da stehe, weil mich niemand mehr ausstehen kann? Ständig hinterfrage ich, ob meine Verhaltensweise zu mir gehört oder ob ich mich gerade wieder verstelle bzw. meinen Gegenüber das zeige, was er sehen will.

Ich habe mir selbst einmal die Aufgabe gestellt, aufzuschreiben, was mich ausmacht und mir fiel nichts ein. Ich habe das Gefühl, dass die Krankheit (welche mich unentdeckt seit ich 14 bin beeinflusst) mir meine ganze Persönlichkeit geraubt hat. In mir sind ständig nur Zweifel, Fragen und Unsicherheit, was meine Persönlichkeit, Wirkung und Ausstrahlung angeht. Doch wie finde ich heraus, wer ich bin? Wie finde ich mich wieder? Was, wenn ich in dieser charakterbildenden Phase der Pubertät keinen eigenständigen Charakter entwickelt habe? Ich habe Angst davor, nie eine ausgeprägte Persönlichkeit zu sein. Angst davor, einfach eine leere Hülle zu bleiben.

Der Gedanke daran mich zu kennen -von „mich zu lieben“ bin ich noch Lichtjahre entfernt – macht mir im gleichen Atemzug Hoffnung und Angst. Es wäre schön, wenn ich mich im Spiegel anlächeln könnte und ich weiß, dass mein Leben/ meine Person wertvoll ist – ohne die Bestätigung von außen. Meine Beziehungen zu Anderen würde auf einer ganz anderen Basis aufgebaut werden und ich könnte selbstbewusst zu dem stehen, was ich oder wer ich bin…

Es wäre ein Paradies!

…und das sind nur die Gedanken zu meinem Ich. Mein Körper bzw. meine Körperwahrnehmung ist katastrophal, aber das ist ein anderes Thema 🙂

Mir fiel es noch nie leicht, den Menschen in meinem Umfeld zu vertrauen. Es ging mir damit nicht schlecht, aber in manchen Situationen fehlte mir dann doch jemand, dem ich meine ganze Gedanken- und Gefühlswelt ohne Zweifel auskotzen konnte.

Ich lernte zu vertrauen, obwohl ich mich oft ängstlich, verletzlich und manchmal ziemlich dämlich fühlte. Ich wollte vertrauen und ich wollte etwas anders als früher tun. Ich ließ langsam mein Misstrauen fallen und meine Mauer bröckelte.

Die letzten 2 Tage liefen nicht besonders gut für mich und meinen Ausflug in „die neue Welt des Vertrauens“. Ich wurde jäh wieder geweckt und schmerzhaft bewusst, dass alles seine guten und schlechte Seiten hat.

Vertrauen kann dir viel geben – Sicherheit, Erleichterung, Mitgefühl und Kraft etc.

…, aber es kann dir auch alles nehmen! Ich wollte so sehr daran glauben, dass ich vergaß, das wir nur Menschen sind. Emotionen, wie Angst, Wut und Schuld stellen uns und unsere Ehrlichkeit immer wieder auf die Probe. Das Problem dabei ist nur, dass man damit den Menschen am tiefsten verletzt, der am meisten vertraut.

Diesmal war ich diese Person und ich habe körperlich, emotional und psychisch gemerkt, wie weh es tun kann zu vertrauen. Es war ein kurzer Augenblick und alles war zerstört. Jegliche hinein gesteckte Energie und Kraft einfach so „weg geschmissen“.

Ich hatte kurzzeitig vergessen, warum ich anderen Menschen misstraue und gerne eher das Schlechte erwarte. Ich wurde schwach und leicht gläubig. Es trifft einen viel härter und stärker, wenn man nicht darauf vorbereitet ist…

Als Erstes möchte ich sagen, dass ich diesen Text aus dem Bauch heraus schreibe, so dass ich Gedankensprünge oder Themensprünge leider nicht vermeiden kann 😉

Ich merke wie ich jeden Tage mehr Momente habe, in denen meine alten Mechanismen siegen. Das klingt im ersten Augenblick nicht schlecht, aber diese Verhaltensmuster haben mich „damals“ schon völlig meiner Kraft beraubt. Ich möchte nicht wieder in dieses Loch fallen, denn ich glaube nicht, dass ich es noch einmal hinaus schaffen würde. Es ist schwer im „normalen Alltag“ immer abzuwägen und mir meiner jahrelang antrainierten Muster bewusst zu werden. Ich gleite ungewollt, aber irgendwie auch kampflos in meine alte „Rolle“. Ich bin verängstigt und verärgert über mich selbst.

Mein Essverhalten wird schlimmer, aber ich habe das Gefühl momentan gibt mir genau das Kraft. Ich hatte nach der Klinik gesagt, dass ich mindestens 2 Mahlzeiten esse. Ich muss mich zur Zeit zwingen überhaupt etwas zu essen. Dennoch empfinde ich es eher als Segen und gibt mir das Gefühl von Kontrolle (ich weiß, die habe ich in dem Punkt eigentlich schon verloren), was ich gerade mehr denn je brauche.
Meine „sozialen Kontakte“ vernachlässige ich, weil ich mich alleine zum jetzigen Zeitpunkt wohler fühle. Mir fehlt der Antrieb und die Kraft um gute Laune „zu spielen“, auch wenn ich genau weiß, dass ich das bei meinen Freunden nicht machen müsste. Andererseits fühle ich mich in meinen vier Wänden gefangen, obwohl ich wohl eher in mir gefangen bin. Ich suche nach jedem Fetzen Sicherheit und meine vertraute Umgebung fesselt mich. Ich nehme mir oft vor, mich bei bestimmten Personen zu melden und mich zu treffen oder einfach nur zu telefonieren, aber ich schiebe es auf die lange Bank und irgendwann ist es zu spät. Ich kann es nicht erklären, so will ich doch gar nicht sein.
Mein Selbstwertgefühl ist auf dem Nullpunkt. Ich kann mich weder im Spiegel anschauen, noch empfinde ich meine Tätigkeiten als sinnvoll. Ich mag mich einfach nicht mehr. Ich bin mir nicht sicher, ob das der Grund für mein Verhalten ist, aber umso mehr ich mich so minderwertig fühle umso mehr suche ich nach Bestätigung von außen. Ich hasse mich dafür, mein Umfeld so zu benutzen damit ich das Gefühl habe mich besser zu fühlen. In Wahrheit fühle ich mich dadurch nicht besser ganz im Gegenteil dadurch werden meine Selbstzweifel nur größer und das Unverständnis für mich. Ich suche an jeder Ecke nach dem Gefühl gemocht/geliebt zu werden, vor allem bei Männern. Manche würden dazu sagen, dass ich meinen Marktwert teste, aber das ist es nicht. Es ist wie ein Zwang, etwas über das ich die Kontrolle verliere. Diese Gefühl als wertvoller Mensch angesehen zu werden, der es wert ist, dass man sich seine Gegenwart wünscht. Ich hasse es!!! Ich hasse mich dafür!!! Ich verletze absichtlich Menschen. Ich suche den Weg aus diesem Moloch.

Ich fühle mich schwach und habe das Gefühl den Kampf zu verlieren. Ich gebe mir die Schuld daran. Vielleicht habe ich es einfach nur nicht genug versucht? Ich möchte nicht einer der Menschen sein, die sich hinter der Diagnose und Krankheit verstecken. Ich möchte kämpfen! Wieso stell ich mich dann so dumm dabei an? Ich meine, es klingt doch ganz einfach, dass zu ändern, was dich nicht glücklich macht. Wieso ist es für mich dann so schwer?

Manchmal

Veröffentlicht: 7. Oktober 2013 in Lyrik
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manchmal
…rennt man mit offenen Augen Richtung Abgrund…
…verschließt man den Blick vor der Gefahr…
…verdrängt man die Gedanken an das Ende…
 
das Ende
…kommt schneller als man denkt…
…trifft dich härter als alles andere…
…raubt dir jegliche Kräfte…
 
manchmal
…verbrennt man sich an seinen Träumen…
…wünscht man sich den Abgrund…
…möchte man einfach nur aufgeben…
 
Momente,
…der Schwäche…
…der Angst…
…der Verzweiflung…
 
kurze Augenblicke
die dir alles nehmen!

Das Arbeitsleben und ich…

Veröffentlicht: 6. Oktober 2013 in Gedanken
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Morgen ist es soweit, nachdem ich nun seit knapp 6 Monaten krank geschrieben bin, werde ich morgen früh ab 9:00 Uhr die erste Phase meiner Wiedereingliederung starten. Anfangen werde ich nur mit 2 Stunden eine Woche lang, danach zwei Wochen für 4 stunden und als letztes 6 Stunden ebenfalls für zwei Wochen. So sieht er aus, der Plan, den meine Therapeutin und ich uns ausgedacht haben. Ich war bei dem Gespräche mal wieder zu optimistisch und wollte alles richtig machen, denn ich hätte am liebsten die ganze Aktion in drei Wochen durchgezogen. Ich kann ja nicht noch länger der Krankenkasse/ dem Staat auf der Tasche liegen. Außerdem meldet sich nebenbei noch mein verdammtes Pflichtbewusstsein, was sich dagegen sträubt weiterhin auf der faulen Haut zu liegen.

Jedoch, wenn ich ehrlich bin, bekomme ich alleine bei dem Gedanken daran Zitteranfälle, kalten Schweiß und eine Panikattacke nach der anderen. Ich war in den letzten 6 Monaten seit dem Tag meines Zusammenbruches nicht einmal in der Nähe dieses Gebäudes. Ich konnte es einfach nicht! Vorgenommen hatte ich es mir öfter in einer guten Phase nur einmal daran vorbei zu fahren, aber ich konnte die Kraft dazu nicht aufbringen.

„Ein gebranntes Kind scheut das Feuer“, so ähnlich ist es bei mir. Meine Arbeit und mein Arbeitsalltag waren zwar nicht die Ursachen meiner Depressionen, aber der Auslöser für meine bis dato schlimmste Akutphase. Ich habe Angst davor, was mich dort erwartet und die absurdesten Befürchtungen spielen sich in mir ab. Wie werden mich meine Kollegen ansehen? Was werden sie von mir denken? Reden sie hinter meinem Rücken und Lachen über mich? Werde ich je wieder dazu gehören? Was passiert, wenn ich in den gleichen Strudel wieder gefangen werde? Ein zweites Mal überlebe ich diese Phase nicht. Ein zweites Mal will ich diese Phase nicht überleben!

Ich versuche mich abzulenken, die ganze Situation mit positiven Erwartungen/Hoffnungen erträglicher zu machen, aber die Gedanken währen nur Sekunden und werden umgedreht. Nun liege ich hier auf meiner Couch und klammere mich verzweifelt an meiner Tasse fest, starre auf die Uhr und hoffe die Zeit bleibt stehen. Ich will später nicht schlafen gehen und ich werde wahrscheinlich nicht schlafen…