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Das „normale“ Leben

Veröffentlicht: 17. November 2013 in Diary, Gedanken
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Da hat es mich nun wieder, dass normale Leben. Es ging schneller als ich dachte und innerlich gehofft habe. Die Wiedereingliederung ist seit einer Woche vorbei und mir fällt auf, dass ich in eine Art Stagnation verfalle.

Neben der Arbeit, dem Haushalt und meinem Lebensgefährten finde ich mittlerweile nur noch selten Zeit um mich mit mir zu beschäftigen. Ich versuche es und trotzdem habe ich das Gefühl, es nicht richtig zu versuchen. Ich fühle mich schlecht, weil ich meine Erwartungen nicht erfülle und ich spüre, dass ich auf der Stelle stehe. Ich verstecke mich immer häufiger wieder hinter meinem Lächeln und meinem Make up. Ich schließe Empfindungen und Gedanken, die ich für völlig absurd und lächerlich finde in mir ein, obwohl sie mich belasten und ich stundenlang darüber grübel.

Ich mache mir Vorwürfe nicht genug zu kämpfen, die Zeit in der Klinik nicht verinnerlicht zu haben und irgendwie einfach aufzugeben. Ich habe Angst wieder in dieses Loch zu fallen. Ich weiß, dass ich es selbst in der Hand habe. Ich entscheide über mein Leben, aber was ist, wenn ich die falschen Weg einschlage – nicht die Kraft oder die Überzeugung habe wirklich zu kämpfen und mir selbst etwas vormachen.

Ich bin verwirrt, ängstlich, zweifelnd, unsicher, schuldig….schwach…

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Als Erstes möchte ich sagen, dass ich diesen Text aus dem Bauch heraus schreibe, so dass ich Gedankensprünge oder Themensprünge leider nicht vermeiden kann 😉

Ich merke wie ich jeden Tage mehr Momente habe, in denen meine alten Mechanismen siegen. Das klingt im ersten Augenblick nicht schlecht, aber diese Verhaltensmuster haben mich „damals“ schon völlig meiner Kraft beraubt. Ich möchte nicht wieder in dieses Loch fallen, denn ich glaube nicht, dass ich es noch einmal hinaus schaffen würde. Es ist schwer im „normalen Alltag“ immer abzuwägen und mir meiner jahrelang antrainierten Muster bewusst zu werden. Ich gleite ungewollt, aber irgendwie auch kampflos in meine alte „Rolle“. Ich bin verängstigt und verärgert über mich selbst.

Mein Essverhalten wird schlimmer, aber ich habe das Gefühl momentan gibt mir genau das Kraft. Ich hatte nach der Klinik gesagt, dass ich mindestens 2 Mahlzeiten esse. Ich muss mich zur Zeit zwingen überhaupt etwas zu essen. Dennoch empfinde ich es eher als Segen und gibt mir das Gefühl von Kontrolle (ich weiß, die habe ich in dem Punkt eigentlich schon verloren), was ich gerade mehr denn je brauche.
Meine „sozialen Kontakte“ vernachlässige ich, weil ich mich alleine zum jetzigen Zeitpunkt wohler fühle. Mir fehlt der Antrieb und die Kraft um gute Laune „zu spielen“, auch wenn ich genau weiß, dass ich das bei meinen Freunden nicht machen müsste. Andererseits fühle ich mich in meinen vier Wänden gefangen, obwohl ich wohl eher in mir gefangen bin. Ich suche nach jedem Fetzen Sicherheit und meine vertraute Umgebung fesselt mich. Ich nehme mir oft vor, mich bei bestimmten Personen zu melden und mich zu treffen oder einfach nur zu telefonieren, aber ich schiebe es auf die lange Bank und irgendwann ist es zu spät. Ich kann es nicht erklären, so will ich doch gar nicht sein.
Mein Selbstwertgefühl ist auf dem Nullpunkt. Ich kann mich weder im Spiegel anschauen, noch empfinde ich meine Tätigkeiten als sinnvoll. Ich mag mich einfach nicht mehr. Ich bin mir nicht sicher, ob das der Grund für mein Verhalten ist, aber umso mehr ich mich so minderwertig fühle umso mehr suche ich nach Bestätigung von außen. Ich hasse mich dafür, mein Umfeld so zu benutzen damit ich das Gefühl habe mich besser zu fühlen. In Wahrheit fühle ich mich dadurch nicht besser ganz im Gegenteil dadurch werden meine Selbstzweifel nur größer und das Unverständnis für mich. Ich suche an jeder Ecke nach dem Gefühl gemocht/geliebt zu werden, vor allem bei Männern. Manche würden dazu sagen, dass ich meinen Marktwert teste, aber das ist es nicht. Es ist wie ein Zwang, etwas über das ich die Kontrolle verliere. Diese Gefühl als wertvoller Mensch angesehen zu werden, der es wert ist, dass man sich seine Gegenwart wünscht. Ich hasse es!!! Ich hasse mich dafür!!! Ich verletze absichtlich Menschen. Ich suche den Weg aus diesem Moloch.

Ich fühle mich schwach und habe das Gefühl den Kampf zu verlieren. Ich gebe mir die Schuld daran. Vielleicht habe ich es einfach nur nicht genug versucht? Ich möchte nicht einer der Menschen sein, die sich hinter der Diagnose und Krankheit verstecken. Ich möchte kämpfen! Wieso stell ich mich dann so dumm dabei an? Ich meine, es klingt doch ganz einfach, dass zu ändern, was dich nicht glücklich macht. Wieso ist es für mich dann so schwer?