Mit ‘Unsicherheit’ getaggte Beiträge

Ich hatte mich bei der Auswertung der Computerdiagnostik schon von Anfang an gefragt, was es mit diesem zwanghaften Verhalten von mir auf sich hat.

Ich kam dann zum dem Schluss, dass es sich gänzlich auf mein Essverhalten und meiner ständigen Kontrolle damit bezog. Ich kann einfach nicht mehr ohne Schuldgefühle essen, geschweige denn das Essen genießen. Ich bin ständig darauf fixiert, meine Kalorien, die ich zu mir nehme auf 0 zu halten oder zu bekommen. Einzig und alleine in Gesellschaft zwinge ich mich zu essen, um den Schein und ein bisschen Normalität zu wahren. Ich habe kein Hungergefühl und insgeheim finde ich das noch nicht mal schlecht. Ich verspüre den Zwang mein Körpergewicht zu reduzieren und die Kontrolle über mein Essverhalten nicht zu verlieren.  Es ist zwanghaft, dass ich und nur ich bestimmen kann, was ich esse und wieviel.Gerade jetzt, wo ich in mir viel Unsicherheit spüre aufgrund der Veränderung in meinen Verhaltensweisen, ziehe ich mich mehr und mehr in diesen „sicheren Hafen“ zurück. Ich esse wieder weniger, aber leider sinkt mein Gewicht nicht wirklich. Dieser Umstand macht mich fertig.

So nun bin ich genug abgeschweift…Auslöser war eigentlich, dass ich mir einen Kaffee machen wollte und beinahe eine Krise bekommen habe, als mein Freund ihn für mich machte. Ich habe eine spezielle Reihenfolge für Süßstoff, Milch und Kaffee und ihm ist es natürlich egal. Ich merkte in dem Moment, wie sehr ich in verschiedenen Tätigkeitsabläufen „gefangen“ bin, die manchmal weder effektiv noch effizient sind und ich sie, trotz des bewussten Wissens darum, nicht darum herum komme. Es ist, was ist – ein Zwang! Ich fühle mich unwohl einzelne Arbeitsabläufe zu ändern, obwohl das Ergebnis – ein geweißter und gesüßter Kaffee – das Gleiche ist.

Bis dahin dachte ich immer nur beim Zwangsverhalten an die Extreme – Treppenstufen zählen, mehrmals die Haustür abschließen, etc. – und ich war geschockt, als genau die gleichen Gefühle in mir auftauchten, wenn auch bei banaleren und nicht so offensichtlichen Tätigkeiten.

Ich werde in der nächsten Zeit speziell mal darauf achten und vielleicht versuchen, „einfach“ mal etwas anders zu machen… wer weiß, ob es mir gelingt und wie es sich anfühlt, diese Muster zu durchbrechen.

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„Die Angst vor dem Angriff endet in der Flucht“

(Daniel Mühlemann)

In der 12wöchigen Therapie in der Tagesklinik, war ich ein Paradebeispiel für dieses Zitat.

Die ersten Wochen habe ich meine Probleme klein geredet und verdrängt. Ich suchte die Flucht in eine Art „Schwesternrolle“ und beschäftigte mich mehr mit den „schwerwiegenderen“ Problemen meiner Mitpatienten, ja sogar einige von Station, welche ich regelmäßig beim Rauchen traf.

Ich fragte mich sehr oft, wie ich den Platz in der Klinik verdient hätte, denn im Vergleich waren meine Probleme eher Kindergarten. Ich fühlte mich überbewertet und wie eine Verschwendung von Zeit und Geld. Ich fühlte mich schuldig, jemanden auf der Warteliste, der den Platz wahrscheinlich viel dringender brauchte, die Chance zumindest temporär zu vermasseln. Ich weiß nicht, vielleicht wollte ich mir auch beweisen, dass ich es verdient habe da zu sein. Mindestens um anderen zu helfen, wenn ich mir schon nicht helfen ließ.

Ich wollte meine Probleme auch irgendwie nicht in Angriff nehmen, wollte nicht darüber nach denken, was schief gelaufen war und niemanden damit belasten. Ich habe sehr lange gebraucht um aus diesem Fluchtgedanken heraus zu treten. Am Ende meiner 10. Woche machte es irgendwann *klick* und ich versuchte die verlorene Zeit zu gut es ging aufzuholen. Die letzten zwei Wochen waren schwer für mich, vor allem den Blick auf mich zu richten und meine Verhaltensweisen zu betrachten, zu prüfen und zu ändern. Ich merkte, dass mein Selbstbild stark von dem abwich, was bei Anderen ankam. Diese Diskrepanz gilt es nun zu minimieren und mein Selbstbild in ein realistisches Licht zu rücken.

Die Flucht in alte Strukturen/ Verhaltensweisen und Essgewohnheiten gab mir in einem Umfeld, welches in mir verstärkt Unsicherheit, Schuld, Angst und Zweifel auslöste, die nötige Sicherheit in diesem Moment. Es war jedoch eine sehr trügerische Sicherheit – ich habe genau das gemacht, was mich ich in die Klinik gebracht hat und was ich ablegen wollte und raubte mir in diesem Fall kostbare Zeit. Die Angst als Simulant gesehen zu werden, als jemand der einfach nur sein Leben nicht auf die Reihe bekommt, jemand der zu sensibel ist, hemmten mich offen darüber zu reden, was in mir vorging. In meinem Leben gab es nie einen Zeitpunkt X, an dem ich hätte festmachen können, dass es ab diesem Punkt in die falsche Richtung läuft. Ich kann mich an keinen Lebensabschnitt erinnern, in dem ich irgendwie nicht diese Gedanken hatte – diese ständige Unsicherheit, dieses dauerhafte Gefühl etwas falsch zu machen, diese Zweifel an mir und die Schuldgefühle wegen allem und jedem. Ich habe keine Situation die ich verarbeiten muss…ich weiß nicht, was mit mir los ist und woher dieses Gefühl kommt.

Ich bereue mein Verhalten und ärgere mich sehr über mich, aber  ich hatte wenigsten 2 Wochen um die richtige Richtung gezeigt zu bekommen…

Jetzt liegt es an mir und meinem Willen zu kämpfen/ anzugreifen…ich möchte nicht mehr fliehen!

„Das Paradies wird die Wiederfindung der echten Beziehung zu sich selbst und zu anderen sein…“

(Elmar Kupke)

 

Ich mag mich nicht, weder meinen Körper noch mein „Wesen“. Ich kann mich nicht im Spiegel anschauen und ich kann nicht verstehen, wie man Zuneigung für mich empfinden kann, sei es freundschaftlich oder in einer Beziehung. Ich könnte es nicht.

Ich weiß, dass ich diesen Umstand ändern muss. Ich befinde mich zur Zeit auf dem Weg mich selbst kennen zu lernen. Heraus zu finden, wer ich bin. Ich kann momentan noch nicht differenzieren, welche meiner Charakterzüge wirklich „meine“ sind oder welche ich mir „antrainiert“ habe, um meinem Umfeld zu gefallen. Ich fühle mich unsicher und weiß nicht, ob ich es wirklich heraus finden möchte. Was ist, wenn ich eine schreckliche Person bin? Was ist, wenn ich am Ende alleine da stehe, weil mich niemand mehr ausstehen kann? Ständig hinterfrage ich, ob meine Verhaltensweise zu mir gehört oder ob ich mich gerade wieder verstelle bzw. meinen Gegenüber das zeige, was er sehen will.

Ich habe mir selbst einmal die Aufgabe gestellt, aufzuschreiben, was mich ausmacht und mir fiel nichts ein. Ich habe das Gefühl, dass die Krankheit (welche mich unentdeckt seit ich 14 bin beeinflusst) mir meine ganze Persönlichkeit geraubt hat. In mir sind ständig nur Zweifel, Fragen und Unsicherheit, was meine Persönlichkeit, Wirkung und Ausstrahlung angeht. Doch wie finde ich heraus, wer ich bin? Wie finde ich mich wieder? Was, wenn ich in dieser charakterbildenden Phase der Pubertät keinen eigenständigen Charakter entwickelt habe? Ich habe Angst davor, nie eine ausgeprägte Persönlichkeit zu sein. Angst davor, einfach eine leere Hülle zu bleiben.

Der Gedanke daran mich zu kennen -von „mich zu lieben“ bin ich noch Lichtjahre entfernt – macht mir im gleichen Atemzug Hoffnung und Angst. Es wäre schön, wenn ich mich im Spiegel anlächeln könnte und ich weiß, dass mein Leben/ meine Person wertvoll ist – ohne die Bestätigung von außen. Meine Beziehungen zu Anderen würde auf einer ganz anderen Basis aufgebaut werden und ich könnte selbstbewusst zu dem stehen, was ich oder wer ich bin…

Es wäre ein Paradies!

…und das sind nur die Gedanken zu meinem Ich. Mein Körper bzw. meine Körperwahrnehmung ist katastrophal, aber das ist ein anderes Thema 🙂

Unsicherheit überfällt mich…

Veröffentlicht: 3. Oktober 2013 in Gedanken
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Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute kämpfe ich gegen dieses Gefühl an, dass mich jedes Mal wieder zerbricht. Dieses Gefühl, dass all deine Hoffnungen zerstört und dich an dem Sinn deines Lebens zweifeln lässt…

Ist alles, was ich sage oder wie ich reagier, falsch?

Es gibt Tage, da kommt diese Frage nicht eine Sekunde in mir auf. Leider gibt es zur Zeit noch mehr Tage, wo ich mir immer und immer wieder diese Frage stelle. Bin ich einfach nur zu sensibel und überbewerte die Reaktion meines Gegenübers? Vielleicht hat er auch nur einen schlechten Tag oder fühlt sich nicht wohl? Doch warum sollte er es dann an mir auslassen? Ich hinterfrage in solchen Augenblicken nicht einen Moment, ob die Reaktion gerechtfertigt ist. Ganz im Gegenteil gehe ich mit Sicherheit davon aus, dass ich etwas getan, gesagt oder mit meiner Mimik/Gestik der Auslöser war.

Wieso ich das denke? Ich weiß es nicht. Ich weiß, dass ich in keinster Weise perfekt bin und ich Fehler machen darf. Dennoch habe ich diesen Zwang in mir perfekt zu sein, alles richtig zu machen und von allen gemocht zu werden. Dieses Gefühl gebraucht zu werden und wichtig zu sein. Jedes kleine Anzeichen eines Konfliktes lässt mich an mir zweifeln, schwächt mein Selbstvertrauen und lässt die Unsicherheit wachsen. Ich will doch nur alles richtig machen und gleichzeitig ich selbst sein dürfen – so funktioniert es nur leider in der wirklichen Welt nicht.

Am Ende, in Situationen wie dieser, spiele ich nun alle Möglichkeiten durch, wie ich hätte anders reagieren können, was ich hätte sagen können und wie ich diese Situation anders hätte lösen können. So sitze ich nun hier auf meiner Couch, ärgere mich über mich selbst und werde mir das nächste Mal besser überlegen, was ich tue. Ich werde solange darüber nach denken, bis die Situation vorbei ist und ich mich dabei wieder total vergessen habe. Sicherlich könnte ich jetzt auch mit ihm darüber reden, aber was sollte das bringen. Ich möchte doch Nicht aus jeder Mücke einen Elefanten machen. Außerdem, für wie wichtig würde ich mich halten um über meine Probleme eine solche Diskussion zu starten?
Ich werde es wohl wieder in mich rein fressen und bereuen, dass ich nicht aus meinem alten Verhaltensmuster ausbrechen konnte.

Wieso fällt es mir so schwer? Wieso nehme ich lieber in Kauf mich schlecht zu fühlen als einmal für meine Gefühle zu kämpfen?

Kennt ihr solche Gedanken? Wie fühlt ihr euch dabei? Wie geht ihr damit um?

Liebe Grüße und Kuss,

Eure Shynami